Aminosäuren und ihre Bedeutung
für Diabetes
Glycin und Arginin sorgen für einen gleichmäßigen Insulinspiegel
In der neuen Diabetesforschung konzentrieren sich die Wissenschaftler auf die Aminosäuren Glycin und Arginin. Eine Kombination wird als „Glargin“ bezeichnet und als Alternative zum Insulin angeboten. Der Vorteil von Insulin „Glargin“ besteht darin, dass es in der Regel einen gleichmäßigen Insulinspiegel über 24 Stunden aufrechterhält, ohne Gipfelspiegel zu erzeugen, gegen die man „anessen“ muss. Bei Verwendung von Glycin und Arginin ist die Gefahr für nächtliche Unterzuckerungen gegenüber NPH-Insulin deutlich reduziert und das so genannte Dawn-Phänomen (erhöhter Nüchternblutzucker durch Nachlassen der Insulinwirkung in den Morgenstunden) wird kaum mehr beobachtet.
Arginin kann den Insulinwiderstand verringern
Insulin ist ein wichtiges Molekül, ohne das wir nicht leben können. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, das Insulinmolekül effektiv einzusetzen. Das Problem ist als so genannter Insulinwiderstand im voranschreitenden Alterungsprozess bekannt. Aber wir können hier dank unseres heutigen Wissens durchaus eine Verbesserung bewirken. Arginin kann den Insulinwiderstand verringern, was wiederum bedeutet, dass die Insulinsensibilität erhöht werden kann. Beim Insulinwiderstand bleibt das Insulin vor den Zellen, weil es von bestimmten Rezeptoren nicht erkannt wird. Und so kann die Glukose, unser Energiespender für die Zellen, nicht verbrannt werden. Je öfter das passiert, um so stärker werden schließlich die Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigt und sterben schlimmstenfalls sogar ab. Folge von Insulinwiderstand ist dann Altersdiabetes, der Diabetes mellitus, Typ 2.
Diese Krankheitsform, eine chronische Stoffwechselkrankheit, wird auch als nicht insulinabhängiger Diabetes mellitus bezeichnet. Im Gegensatz zum Diabetes mellitus Typ 1 ist die Ursache des Problems kein Insulinmangel. Oft ist sogar noch das Gegenteil der Fall, d. h. es ist sogar zu viel Insulin vorhanden, aber der Körper besitzt keine ausreichende Sensibilität für das Insulin. Die Folge ist 1. zu wenig Glukose in den Zellen und 2. zu viel Glukose im Blut, wo ein Zuviel schnell großen Schaden anrichten kann. So wie viele der hochwirksamen biologischen Substanzen verlangt auch Glukose ein fein ausbalanciertes System, um unserer Gesundheit optimal dienlich sein zu können.
Arginin kann die Insulinsensibilität erhöhen
Eine Gruppe von Wissenschaftlern in Italien und England veröffentlichte kürzlich Ergebnisse einer Studie, die zeigen, dass die Insulinsensibilität durch den Neurotransmitter Stickstoffoxid, ausgelöst durch Zugabe seiner Vorstufe, nämlich Arginin, wesentlich erhöht werden kann. Untersucht wurden zwölf erwachsene Typ-2-Diabetes-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren (acht Männer und vier Frauen) und einer für diese Patienten typischen Diät.
Für den Zeitraum von einem Monat wurden die Patienten unter ihrer für Diabetes-Patienten normalen Diät beobachtet und anschließend in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt über zwei Monate die zuvor genannte normale Diät für Diabetes-Patienten mit zusätzlicher Placebogabe (dreimal täglich oral). Die zweite Gruppe wurde im Zeitraum von einem Monat genauso wie die erste Gruppe versorgt. Im zweiten Monat erhielt diese Gruppe dann Arginin (natürlich ohne davon zu wissen). Die Insulinsensibilität der Patienten wurde regelmäßig durch standardisierte Insulininfusion unter sorgfältig kontrollierten Umständen untersucht. Gleichzeitig wurden zehn weitere gesunde Personen einer identischen Infusion unterzogen, um weitere Vergleiche zu ermöglichen.
Testergebnisse bestätigen die positiven Effekte des Arginins
Das wichtigste Ergebnis dieser Untersuchung war eine Verbesserung der Insulinsensibilität durch die genannten Arginingaben um 34% innerhalb der zweiten Gruppe gegenüber 4% in der Kontrollgruppe (die erste Gruppe). Bei der Arginingruppe konnte des Weiteren eine bemerkenswerte Erweiterung der Blutgefäße beobachtet werden, was zu einer Blutdrucksenkung und verstärktem Blutstrom führt. Und tatsächlich zeigten die Untersuchungsergebnisse eine bemerkenswerte Abnahme des systolischen Blutdruckes (der erste, höhere Wert bei einer Blutdruckmessung), wobei gleichzeitig ein erhöhter Blutfluss im Unterarm der mit Arginin behandelten Patienten festgestellt werden konnte.
Carnitin wirkt Herz-Kreislauf- Erkrankungen sowie Augen- und Nierenschäden entgegen
Carnitin schützt Zellen ähnlich wie Vitamin C oder Zink vor oxidativem Stress. Oxidativer Stress wird verursacht durch freie Radikale, die im Organismus bei verschiedenen Stoffwechselwegen entstehen, aber auch durch Umweltbelastungen, Rauchen und UV-Strahlung. Werden sie nicht abgefangen, so schädigen sie Moleküle und Strukturen des Organismus, vor allem ungesättigte Fettsäuren in Zellmembranen, Eiweiße, Zellrezeptoren, aber auch Erbgut. Freie Radikale sind wichtige Auslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-, Nieren- und Augenerkrankungen, da der erhöhte Blutzucker die kleinen Blutgefäße zerstört. Oxidativer Stress treibt diese Schädigungen weiter voran. Carnitin kann freie Radikale unschädlich machen und so Herz, Nieren und Augen schützen.
Eine aktuelle Studie belegt, dass Carnitin die Plasma- konzentration von Lipoprotein A signifikant senkt
Die Konzentration des Lipoprotein A im Plasma ist ein Hinweis auf das Risiko, eine koronare Herzkrankheit oder Durchblutungsstörung zu erleiden. Im Rahmen einer Studie wurden 94 Patienten, bei denen kurz zuvor ein Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert worden war und die gleichzeitig erhöhte Blutfettwerte aufwiesen, in zwei Gruppen eingeteilt. Die Therapie des Diabetes erfolgte während der sechsmonatigen Studie ausschließlich diätetisch.
Während die Interventionsgruppe täglich ein Gramm Carnitin in Tablettenform erhielt, bekamen die Probanden der zweiten Gruppe ein Placebo. Sowohl nach drei als auch nach sechs Monaten zeigte sich bei den Probanden der Interventionsgruppe eine deutliche Reduktion der Plasmakonzentration des Lipoprotein A. Auch wenn es sich bei der vorliegenden Untersuchung nur um eine Vorstudie handelt, zeigt sich doch bereits eine deutliche Tendenz für die schützenden Eigenschaften des Carnitins.
Zink ist verantwortlich für eine ökonomische Insulinfreisetzung
Das essenzielle Spurenelement Zink ist an der Insulinspeicherung beteiligt. Zink ist Bestandteil des Insulins und auch für dessen Wirkung an der Zelle erforderlich. Die Zinkzufuhr in Deutschland ist suboptimal und liegt unterhalb der empfohlenen Aufnahmemenge von 12–15 mg täglich. Bei Diabetikern ist darüber hinaus mit Zinkurie zu rechnen, die zu einer Zinkverarmung führen kann. Der Zinkspiegel im Serum liegt bei Diabetikern meist niedriger als bei Kontrollpersonen. Zink ist Bestandteil einer Vielzahl von Metalloenzymen und für die Aktivierung von Enzymen erforderlich. Hieraus erklärt sich die Bedeutung des Spurenelements für den Kohlenhydratstoffwechsel und die Glucosehomöostase. Zink ist verantwortlich für eine ökonomische Insulinfreisetzung nach erfolgtem Nahrungsmittelreiz. Bei Zinkmangel haben Typ 2 Diabetiker eine verminderte Insulinfreisetzung.
Bei Altersdiabetikern kann Zink für eine Abnahme des HbA1c sorgen
Bei Altersdiabetikern ergibt sich unter Zinkgabe eine Aktivierung der verbliebenen Insulinproduktion nach mehrwöchiger Zinkgabe und eine Stabilisierung der Blutzuckerwerte mit Abnahme des Nüchternblutzuckers und des Langzeitparameters HbA1c. Zink hat auch positive Effekte im Bereich der Wundheilung. Daher sollte eine Substitution auch beim diabetischen Gangrän erfolgen. Im Rahmen der Prophylaxe und Therapie des Diabetes ist die Einnahme von 15 bis 30 mg Zink täglich sinnvoll. Ein Teil davon sollte in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden.
Als besonders interessant für den Schutz der Augen gilt der sekundäre Pflanzenstoff Lutein. Dieses Phytamin kann im frühen Stadium die Symptome einer Makula-Degeneration lindern, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den USA zeigt. Untersucht wurde bei 90 Patienten mit einer Makula-Degeneration ein Jahr lang die tägliche Aufnahme von (a) 10 mg Lutein, (b) die Kombination von Lutein mit anderen antioxidativen Vitaminen und Mineralstoffen im Vergleich zu (c) einem Placebo. Lutein allein und die kombinierte Gabe von Antioxidantien (a und b) stärkten die Sehfunktionen, während das Placebo (c) keine Veränderungen bewirkte. Zwar müssen diese Ergebnisse noch an größeren Patienten-Gruppen und über längere Zeit geprüft werden, doch zeichnet sich immer deutlicher eine positive Wirkung von antioxidativen Nährstoffen, vor allem von Lutein, für die Gesundheit der Augen ab.
Für Diabetiker ist es besonders wichtig, schädigende Belastungen zu vermeiden und die Augen mit notwendigen Mikronährstoffen zu versorgen, insbesondere denen, die der Körper nicht selbst bildet, wie zum Beispiel die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin.
Sie bieten einen doppelten Schutz. Zunächst setzen sie sich wie eine »innere Sonnenbrille« vor die empfindliche Netzhaut und filtern die schädlichen Strahlen heraus. Sind trotzdem UV- oder andere Strahlen ins Auge gedrungen und freie Radikale gebildet worden, greift der zweite Schutzmechanismus: Die Mikronährstoffe fungieren als »Radikalfänger«, indem sie die freien Radikale an sich binden und unschädlich machen.
Bei Diabetikern lässt allerdings der doppelte Schutz durch Filterung und Radikalfang vergleichsweise schnell nach. Das Risiko, dass sich die natürliche Sehkraft der Augen reduziert, nimmt zu. Damit die Gesundheit der Augen geschützt und erhalten bleibt, sollten wir sie regelmäßig und ausreichend mit den notwendigen Nährstoffen versorgen. Wer jeden Tag fünf Portionen Obst und Gemüse isst, nimmt je nach Frischegrad und Zubereitungsform genug der Mikronährstoffe zu sich.
Allerdings lassen sich diese Mengen im Alltag leider nicht immer realisieren. In diesem Fall sind Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Alternative. Diese ermöglichen eine regelmäßige Zufuhr der benötigten Mikronährstoffe auf eine bequeme Art und Weise. Lutein und Zeaxanthin sind natürliche Nährstoffe und völlig ungefährlich. Leider ist die Gewinnung derzeit noch relativ aufwendig, weshalb der Preis für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel eher hoch einzuschätzen ist.
Weltweite Forschungen belegen darüber hinaus, dass für Diabetiker die ausreichende Versorgung mit Glutamin und Niacin besonders wichtig ist.
Niacin reguliert den Blutzuckerspiegel. Zusammen mit Chrom ist Niacin (Vitamin B3) für die Ausschüttung des Glukagons im Blut verantwortlich. Glutamin kann in der Leber zu Glucose umgewandelt werden, dies kann den Blutzuckerspiegel stabilisieren.
Wir
möchten an dieser Stelle noch einmal festhalten, dass alle behandelten
Nährstoffe kein Antidiabetikum darstellen und daher nicht die
medikamentöse Diabetes-Therapie ersetzen können. Diabetiker können
diesen sicheren Nahrungsbestandteil jedoch begleitend einsetzen.
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