Aminosäuren und ihre Bedeutung für das Immunsystem

Das Immunsystem ist keine einzelne Struktur – es ist ein komplexes Netzwerk aus Zellen, Organen und Botenstoffen, das rund um die Uhr arbeitet. Aminosäuren spielen in diesem Netzwerk eine grundlegende Rolle: Sie sind nicht nur Bausteine der Abwehrzellen, sondern steuern aktiv deren Bildung, Reifung und Aktivierung. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat dabei besonders zwei Aminosäuren in den Fokus gerückt: Arginin und Lysin.

Arginin – Treibstoff für die Abwehrzellen

Arginin ist für das Immunsystem auf mehreren Wegen unverzichtbar. Eine seiner zentralen Aufgaben ist die Aktivierung der Thymusdrüse – einem Organ hinter dem Brustbein, das für die Reifung der sogenannten T-Zellen zuständig ist. T-Zellen sind ein Kernbestandteil der Immunabwehr: Sie erkennen Krankheitserreger, bekämpfen sie direkt und koordinieren die Reaktion anderer Abwehrzellen. Studien zeigen, dass Arginin die Vermehrung dieser T-Zellen messbar fördert – ein Mangel hingegen hemmt ihre Funktion erheblich.1

Arginin ist außerdem die Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO) – einem Molekül, dessen Entdeckung 1998 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde.2 NO verbessert die Durchblutung und damit die Versorgung der Abwehrzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Gleichzeitig nutzen Immunzellen NO direkt als Waffe gegen Bakterien und andere Krankheitserreger.3

Hinzu kommt: Arginin fördert die Wundheilung – und eine schnell heilende Wunde bietet Krankheitserregern weniger Angriffsfläche.4

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Lysin – stärkt die Antikörperproduktion und schützt die Milz

Lysin ist eine essenzielle Aminosäure: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen und ist täglich auf Zufuhr angewiesen. Für das Immunsystem ist Lysin aus mehreren Gründen wichtig. Es unterstützt direkt die Bildung von Antikörpern – jener Proteine, die der Körper produziert, um Krankheitserreger gezielt zu erkennen und zu neutralisieren.5 Außerdem ist Lysin an der Bildung und Aktivierung von Enzymen beteiligt, die das Immunsystem regulieren.6

Besonders aufschlussreich ist ein Befund, der die Kombination von Arginin und Lysin untersucht: Beide Aminosäuren zusammen steigern nachweislich die Immunaktivität in Thymus und Milz – über neuronale Signalwege, die die körpereigene Abwehr koordinieren. Arginin regt dabei die Freisetzung von Immunzellen aus dem Thymus an, Lysin erhöht die Aktivität der natürlichen Killerzellen in der Milz.7 Diese Synergie macht die Kombination beider Aminosäuren für das Immunsystem besonders wertvoll.

Vitamin C und Zink – keine Aminosäuren, aber unverzichtbar

Vitamin C und Zink sind keine Aminosäuren – aber beim Thema Immunsystem wäre es unehrlich, sie zu übergehen.

Vitamin C reichert sich in den weißen Blutkörperchen an – in einer Konzentration, die bis zu fünfzigmal höher ist als im Blutplasma. Es unterstützt deren Aktivität, schützt sie vor oxidativem Stress und ist an der Bildung von Abwehrbarrieren in Schleimhäuten beteiligt. Eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 bestätigt: Vitamin C unterstützt nahezu alle Funktionen des Immunsystems – von der Barriere bis zur Antikörperbildung.8

Zink ist für die Entwicklung und Aktivierung der Immunzellen unverzichtbar. Es ist an der Zellteilung beteiligt, reguliert die Kommunikation zwischen Abwehrzellen und wird für die Bildung von Antikörpern gebraucht. Eine Unterversorgung mit Zink schwächt die Immunabwehr messbar – und macht den Körper anfälliger für Infekte.9 Studien zeigen außerdem, dass Vitamin C und Zink in Kombination die Antikörperproduktion synergistisch steigern.10

Quellen

1Popovic, P.J. et al. (2007) High dose of L-arginine prevents local recurrence and extends survival in patients with resected stage III colon cancer, Integrative Cancer Therapies, Volume 6, Issue 2 (pp. 114–119)

2The Nobel Assembly at Karolinska Institutet (1998) The Nobel Prize in Physiology or Medicine 1998, nobelprize.org

3Alam, M.S. et al. (2025) L-Arginine and immune modulation: A pharmacological perspective on inflammation and autoimmune disorders, European Journal of Pharmacology

4Barbul, A. et al. (1990) Arginine enhances wound healing and lymphocyte immune responses in humans, Surgery, Volume 108, Issue 2 (pp. 331–336)

5Han, F. et al. (2018) Lysine deficiency inhibits the production of antibodies and the proliferation of lymphocytes in vitro, Scientific Reports

6Dai, Z. et al. (2004) L-Lysine HCl in adoptive immune therapy towards development of suitable tuberculosis vaccination, PubMed (PMID 15573523)

7Novin, Z.S. et al. (1997) Influence of systemic arginine-lysine on immune organ function: An electrophysiological study, Brain Research Bulletin, Volume 43, Issue 5 (pp. 489–494)

8Carr, A.C. & Maggini, S. (2017) Vitamin C and Immune Function, Nutrients, 9(11): 1211

9Name, J.J. et al. (2020) Zinc, Vitamin D and Vitamin C: Perspectives for COVID-19, Frontiers in Nutrition, 7: 579029

10Khanna, S. et al. (2021) Zinc and vitamin C intake increases spike and neutralising antibody production following SARS-CoV-2 infection, Clinical & Experimental Immunology

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