»Technische Universität München / Informationsdienst Wissenschaft, 9. Juni 2023«
Taurin verlangsamt Alterungsprozesse – Studie im Fachmagazin Science
Taurinmangel ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Altern von Menschen und Tieren. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung der Technischen Universität München, die unter dem Titel »Taurine deficiency as a driver of aging« im renommierten Fachjournal Science erschienen ist.
Die Forschenden konnten zeigen, dass die Taurinkonzentration im Blut von Mäusen, Affen und Menschen im Alter deutlich abnimmt. In Blutproben von Menschen über 60 Jahren war sie um mehr als 80 Prozent geringer als in Proben von Kindern und Jugendlichen. Daraus ergab sich die zentrale Frage des Forschungsteams: Lässt sich der Alterungsprozess verlangsamen, wenn der Taurinspiegel wieder auf ein jugendliches Niveau angehoben wird?
In Tierversuchen verlängerte eine tägliche Tauringabe die Lebensdauer von Mäusen um rund zehn Prozent. Affen blieben mit Taurin länger gesund. Zugleich ging ein niedriger Taurinspiegel beim Menschen mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen einher, die im Alter häufiger werden – darunter Diabetes, hoher Blutdruck und erhöhte Entzündungswerte. Interessant ist ein weiterer Befund: Durch sportliche Aktivität bildet der Körper verstärkt Taurin – was zur bekannten Beobachtung passt, dass Sport sich positiv auf die Gesundheit im Alter auswirkt.
Prof. Dr. Henning Wackerhage von der TU München, der die Daten zu den menschlichen Probanden beigesteuert hat, ordnet die Ergebnisse vorsichtig ein: »Die Ergebnisse aus den Tierversuchen sind eindrucksvoll. Wir wissen aber nicht, ob sie auf den Menschen übertragbar sind. Jetzt brauchen wir klinische Studien.« Taurin gilt bislang als gesundheitlich unbedenklich – die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beschrieb 2012 eine tägliche Aufnahme von bis zu sechs Gramm als sicher.